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Orientiert sich Trump nun an Duterte? Pressemitteilung des JES Bundesverbands zu den Plänen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, in den USA die Todesstrafe für Drogenhändler einzuführen.

Berlin. Eine Allianz aus profitorientierten Pharmaunternehmen und korrupten Ärzten hat dafür gesorgt, dass die vereinigten Staaten heute in einer „Opiat-Krise“ stecken. Über viele Jahre sind dort Opioide, insbesondere Oxycodon-haltige Mittel, im großen Stil als einfache und weitest gehend als risikoarm beschriebene Mittel zur Schmerztherapie beworben und verschrieben worden. Auf dem Höhepunkt, 2010, wurden in den USA 80% aller weltweit verordneten Opioide konsumiert.

Erst danach erkannte man die Gefahr und versuchte über Repression gegenzusteuern. Ein Großteil der vielen in der Zwischenzeit abhängig geworden en Patienten versorgt sich deswegen inzwischen auf dem Schwarzmarkt mit dem wesentlich preiswerteren Heroin.

„Wenn die Verschreibung von opioidhaltigen Schmerzmitteln weiter reduziert wird, sind noch mehr inzwischen abhängige Menschen gezwungen Heroin zu konsumieren. Helfen kann da nur eine großangelegte, staatlich finanzierte Kampagne: Aufklärung über alternative Schmerztherapien, Substitutionsprogramme bis hin zu einer Diamorphin Behandlung, Therapien zur Konsumreduktion und Entwöhnung“, sagt dazu Ilona Rowek vom JES Bundesvorstand.

Äußerungen Trumps, nun sogar die Todesstrafe für Drogenhandel einführen zu wollen, zeugen aus unserer Sicht eher von hilflosem Aktionismus, denn von einem wirklich durchdachten Plan. Es handelt sich um populistische Parolen unterster Kategorie, wie man sie so bislang nur aus Ländern wie den Philippinen von deren Präsidenten Rodrigo Duterte kannte. „Dessen Modell, mit massiver Repression und Todesschwadronen gegen Konsumenten und Händler vorzugehen hat traurige Berühmtheit erlangt. Dass Donald Trump diesen weltweit von nahezu allen Experten geächteten Weg beschreiten will, ist eine Schande!“ so Marco Jesse, ebenfalls Mitglied des JES Bundesvorstands.

JES fordert aus diesem Anlass erneut, entschieden und nachdrücklich, die Todesstrafe weltweit abzuschaffen und zu ächten!

Desweiteren fordert JES weltweit für Abhängige die Möglichkeit einer adäquaten modernen Behandlung, ob nun mit Substitut oder mit „Originalstoff“ (Diamorphin). Niemand sollte für seine Abhängigkeitserkrankung bestraft werden. Nur etwa 10 % der Abhängigen schaffen es längerfristig, ohne Opioid zu leben, lautet die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnis. Deswegen ist ein starres Beharren auf Abstinenz, wie man es etwa in einigen Ländern nach wie vor praktiziert, aus unserer Sicht wenig zielführend.

Wenngleich es für JES immer wieder auch hierzulande Grundsätzliches zu bemängeln gibt, sollte man angesichts derart engstirniger Repression attestieren dürfen: Da sind wir in Deutschland drogenpolitisch zum Glück ein gutes Stück weiter und in weiten Teilen hoffentlich ein positives Vorbild für andere Länder.

 (JES – Junkies, Ehemalige und Subsituierte, Bundesvorstand, 28.03.2018)

http://www.jes-bundesverband.de/uploads/media/pm_trump_final.pdf