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| Hans-Günter Meyer-Thompson | National

Halle/Saale. AfD-Stadtratsfraktion diskreditiert Gesundheitszentrum Silberhöhe 

Halle/Saale. AfD-Stadtratsfraktion diskreditiert Gesundheitszentrum Silberhöhe 

Ende Mai ging es hitzig zu im Stadtrat von Halle an der Saale:

„Heftiger Disput und ein Ordnungsruf: Umstrittener AfD-Antrag zum Drogenhandel in Halle deutlich abgelehnt

Emotionale Debatten, ein Ordnungsruf wegen verbaler Entgleisung und lautstarke Proteste im Saal: Die Stadtratssitzung am Mittwochabend zeigte einmal mehr die tiefen Gräben zwischen der AfD und den anderen Fraktionen. Im Zentrum stand ein Prüfantrag der AfD-Fraktion zur Beendigung des Drogenhandels im Umfeld des Gesundheitszentrums Silberhöhe, der am Ende mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Es gab 12 Ja, 40 Nein undeine Enthaltung. Damit ist der Prüfantrag offiziell vom Tisch.“ (Du bist Halle, 27.05.2026)

Vorausgegangen war ein Tik-Tok-Video-Clip des AfD-Stadtrats Paul Backmund („Die Remigration #ist ein Versprechen“) (Quellen siehe unten, Anm.), in dem die Silberhöhe zum gefährlichen Ort für Frauen und Kinder und zu einem mutmaßlichen „Drogenumschlagplatz“ erklärt wurde.

Arztpraxen und Ambulanzen, die Suchtmedizin betreiben, sehen sich häufig und vielerorts Anwürfen ausgesetzt, die ambulanten Therapieeinrichtungen mit Abgabe von Substitutionsmitteln eine Nähe zum Drogenkleinhandel unterstellen. Gelegentlich kann die Ansammlung von täglich mehreren Dutzend Opioidsubstituierten dazu führen, dass sich im Umfeld eine kleine Szene bildet. In aller Regel gelingt mit Ansprachen an Patientinnen und Patienten, mit strikter Anwendung des Hausrechts auch vor der Einrichtung, in Kooperation mit der örtlichen Polizei und - wenn es nicht anders geht - mit disziplinarischen Verweisen und Anzeigen, ein allseits bekömmliches Umfeld wieder herzustellen. So auch in Halle-Silberhöhe.

Proteste gehen in der Regel von Nachbarn und Geschäftsleuten aus, die sich belästigt fühlen. Stigma und Angst vor Drogenabhängigen kommen meist hinzu.

Dass eine Partei wie kürzlich die AfD in Halle, die Stimmung anheizt, ist die Ausnahme. Peter Jeschke, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und langjähriger Vorsitzender des Vereins Gesundheitszentrum Silberhöhe, rückte mit einer Stellungnahme an den Stadtrat die Dinge klar:

ZENTRUM FÜR SCHMERZ- und SUCHTMEDIZIN HALLE

DM Peter Jeschke / Facharzt für Neurologie und Psychiatrie / Suchtmediziner

Wilhelm-von-Klewiz-Str. 11               Gesundheitszentrum Silberhöhe                  06132 Halle (Saale)

Tel. 0345 7748200                                                                                        FAX 0345 7748235    

An die Fraktionen des Stadtrates Halle
An die Lokalredaktion Halle der Mitteldeutschen Zeitung

Betrifft:

Antrag der AfD-Stadtratsfraktion „Beendigung des Drogenhandels im Umfeld des Gesundheitszentrums Silberhöhe über geeignete Maßnahmen der Verwaltung“

Halle, 25. Mai 2026

Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,
sehr geehrte Redaktion der Mitteldeutschen Zeitung,

der Antrag der AfD und leider auch die Darstellung des Problems in der MZ – insbesondere das Pressefoto mit einer patrouillierenden Polizeistreife direkt vor dem Eingang des Gesundheitszentrums – suggerieren der Öffentlichkeit, das Gesundheitszentrum Silberhöhe und sein unmittelbares Umfeld seien ein Hotspot des Drogenhandels und der Rauschgiftkriminalität.

Das ist in dieser Form falsch und irreführend.

Der Antrag der AfD, das Video des AfD-Stadtrats Paul Backmund, aber auch der MZ-Artikel vom 23.05.2026 differenzieren die tatsächlichen Verhältnisse nur unzureichend und sind geeignet, das Gesundheitszentrum Silberhöhe und seine medizinischen Versorgungsleistungen in der öffentlichen Wahrnehmung zu diskreditieren.

Das Gesundheitszentrum versteht sich seit seiner Gründung vor 35 Jahren als humanitäres und soziales Zentrum im bevölkerungsreichen Süden der Stadt. Es bietet zahlreiche Leistungen der medizinischen Versorgung, sozialen Beratung und Gesundheitspflege sowie Möglichkeiten gesellschaftlicher und kultureller Aktivitäten.

Hier werden seit mehr als 30 Jahren differenzierte suchtmedizinische Behandlungen sowie Programme zur Prävention, Begleitung und Beratung von Menschen mit Substanzkonsum und Abhängigkeitserkrankungen intensiver und umfassender angeboten und genutzt als vielerorts sonst in Halle und Sachsen-Anhalt.

Diese Arbeit wird im Allgemeinen akzeptiert und in ihrer Bedeutung anerkannt. Wir helfen Menschen, ihre Suchtprobleme zu bewältigen und in ein gesundes, aktives und sozial integriertes Leben zurückzufinden. Damit übernehmen wir nicht nur einen besonderen Versorgungsauftrag, sondern leisten zugleich einen wirksamen Beitrag gegen Gewalt, soziale Desintegration und Drogenkriminalität.

Seit vielen Jahren bestehen kooperative Beziehungen mit Stadtverwaltung, Polizei und Behörden der öffentlichen Sicherheit. Wir verwehren uns deshalb dagegen, unsere Einrichtung, die gute Traditionen einer Poliklinik fortsetzt, mit dem Begriff „Drogenhotspot“ in Verbindung zu bringen.

Ist das Domero, in dem die AfD öffentliche Veranstaltungen durchführt, etwa ein „Drogenhotel“, nur weil es sich in unmittelbarer Nähe des „Grünen Winkels“ befindet?

Im Übrigen liegt unser Gesundheitszentrum etwa 400 Meter von der in den Medien problematisierten Gaststätte entfernt. Der Begriff „Drogen-Hotspot“ impliziert über eine räumliche Beziehung hinaus auch eine kausale oder inhaltliche Nähe – und eine solche gibt es nicht. Im Gegenteil: Unsere Einrichtung wirkt den Folgen von Suchterkrankungen und sozialer Desintegration seit Jahrzehnten aktiv entgegen.

Wir sind gern bereit, uns mit Stadträten – auch denen der AfD –, mit der Stadtverwaltung, mit Behörden und Bürgern über unsere Einrichtungen, unsere Arbeit sowie über unsere Erfahrungen und Konzeptionen zur Behandlung von Drogenabhängigkeit und zur Eindämmung drogenbezogener Kriminalität auszutauschen.

Eine Diffamierung unserer Einrichtung sowie polemisch grob vereinfachende Darstellungen des Problems lehnen wir jedoch entschieden ab.

Mit freundlichen Grüßen

DM Peter Jeschke
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
Suchtmediziner

Zu meiner Person:

Ich bin seit 1985 – seit ihrer Gründung – in der Poliklinik Silberhöhe als Nervenfacharzt tätig und war fast 30 Jahre gewählter Vorsitzender des Vereins Gesundheitszentrum Silberhöhe. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung sowie bei der Landes- und Bundesärztekammer bin ich Mitglied verschiedener suchtmedizinischer Fachgremien. Ich gehöre keiner Partei an. Von 1990 bis 2005 war ich gewählter Stadtrat für das Neue Forum und leitete über mehrere Jahre den Innenausschuss.

„Paul Backmund und die AfD-Fraktion  hätten die Einladung zu Gesprächen im Gesundheitszentrum  und Besichtigungen vor Ort  nutzen können. Anders als andere Ratsmitglieder taten sie das nicht!“, teilte Jeschke auf Anfrage von Forum Substitutionspraxis mit.

(Hans-Günter Meyer-Thompson, Redakteur Forum Substitutionspraxis, 09.08.2026)

Quellen:

„Heftiger Disput und ein Ordnungsruf: Umstrittener AfD-Antrag zum Drogenhandel in Halle deutlich abgelehnt (Du bist Halle, 27.05.2026)

https://dubisthalle.de/heftiger-disput-und-ein-ordnungsruf-umstrittener-afd-antrag-zum-drogenhandel-in-halle-deutlich-abgelehnt/

Tik-Tok-Video von Paul Backmund (AfD) über die Silberhöhe in Halle/Saale

https://www.tiktok.com/@pbackmund/video/7641639954027744545

Dein Direktkandidat für den Wahlkreis 38 Halle (Saale) – Süd/Ost: Paul Backmund (AfD)

https://paul-backmund.de/

Paul Backmund: „Die Remigration #ist ein Versprechen“

https://www.tiktok.com/@pbackmund/video/7562955946276850966

Halle Silberhöhe AfD 2026 09-08-2026 final