Italien. Konferenz zu Drogen und Gewalt - Wenn sogar Drogenbossen Krieg zu teuer ist
Italien. Konferenz zu Drogen und Gewalt - Wenn sogar Drogenbossen Krieg zu teuer ist
An einer Mailänder Uni wird über internationalen Drogenhandel diskutiert. Dann wird bekannt, dass eine Anti-Mafia-Zeugin sich das Leben genommen hat.
Wo organisieren sich am erfolgreichsten Drogenbanden? Im Knast. Woher kommt der Nachwuchs für die kriminellen Milizen? Aus dem staatlichen Polizeiapparat. Worin unterscheidet sich die Lage in Ländern wie Brasilien grundsätzlich von der in der EU? 35 Prozent der Bevölkerung seien Analphabeten.
Was man vielleicht als sozialkritisches Statement eines Streetworkers hätte vermuten können, kam auf einer Konferenz der Staatlichen Universität Mailand zu Entwicklungen auf den internationalen Drogenmärkten vergangene Woche aus dem Mund einer brasilianischen Staatsanwältin.
Die sich, weil die Dinge eben nie schwarz-weiß sind, im gleichen Atemzug durchaus heftig darüber beklagte, wie das Vorgehen ihrer Beamten in den Favelas regelmäßig zu internationaler Kritik und Verurteilungen führe. Was würden Sie tun, fragte Corina Rodrigues de Senna von der Staatsanwaltschaft Rio, wenn vor der Uni hier im Herzen der lombardischen Metropole ein Mann mit Sturmgewehr stünde, von denen Ihre Beamten allein im letzten Jahr 85 beschlagnahmt hätten?
Wahrscheinlich, war in den Gesichtern im Auditorium abzulesen, würden wir trotzdem keine Aktion durchführen, die mit 132 Toten endet, wie die „Operação Contenção“ im Oktober 2025 in zwei Favelas in Rio. Aber weiß man’s? Wenn bei einem Bevölkerungsanteil von 8 Prozent global gesehen ein Drittel aller Morde auf Südamerika entfällt, ist Besserwisserei jedenfalls keine Option. (taz, 17.9.2026)
