Extra-Rundbrief 16 zu Covid-19 und Substitutionsbehandlung 08.04.2020

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Z51.83G – Forum Substitutionspraxis

Extra-Rundbrief 16 zu Covid-19 und Substitutionsbehandlung

 
         
   

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

 

am Montag hat im Zentrum der offenen Drogenszene in Hamburg eine niedrigschwellige Substitutionsambulanz den Betrieb aufgenommen.

Der Träger Jugendhilfe e.V. hat auf Anregung der substituierenden Ärzteschaft und der Gesundheitsbehörde kurzfristig Räume im Drob Inn zur Verfügung gestellt. Behörde und KV Hamburg ermöglichten unbürokratische Lösungen für allerlei formale Hürden.

Der Träger selbst konnte die ärztliche Besetzung für den täglichen Betrieb organisieren. Für unbesetzte Tage meldeten sich Freiwillige aus den Reihen der substituierenden Ärzteschaft der Hansestadt.

Für unversicherte Patient*innen übernimmt die Freie und Hansestadt die Medikamenten- und Behandlungskosten; Anträge auf Ermächtigung und Zuerkennung der Substitutionsziffern im EBM liegen der KV Hamburg zur raschen Entscheidung vor.

Das Dispensiergerät für Methadon und die EDV stellt CompWare Medical zur Verfügung, Speicheltests zu Sonderkonditionen liefern Abbott und Nal von Minden.

Drei- bis viertausend Opioidkonsument*innen sind in Hamburg nicht in Substitutionsbehandlung.

Am ersten Abend haben 27 bislang unbehandelte Opioidabhängige die Substitution mit Methadon begonnen, zehn weitere mussten auf den Folgetag vertröstet werden. Am zweiten Abend kamen 14 neue Patient*innen dazu.

Die Ambulanz bietet neben der Substitution mit Methadon auch Tests auf Sars-CoV-2-Infektion an.

 

Hamburg. Corona-Virus: Niedrigschwellige Substitutionsambulanz im Drob Inn eröffnet

Von harten Drogen abhängige Menschen gehören zu den Risikogruppen für eine Erkrankung an COVID-19. Eine Infizierung durch das Corona-Virus kann für jeden einzelnen besonders schwerwiegende Folgen haben. Gleichzeitig können mit dem Corona-Virus-Infizierte auch eine Gefahr für die Öffentlichkeit sein. Deshalb wird das niedrigschwellige Angebot für diese Zielgruppe im Sinne einer bestmöglichen Versorgung und zum Schutz der Bevölkerung jetzt ausgeweitet und zwar ab Montag, dem 6. April um 16.15 Uhr im Drob Inn im Beratungs- und Gesundheitszentrum St. Georg. (Jugendhilfe e.V., 06.04.2020) 

 

Für die schnelle Aufnahme einer großen Zahl unbehandelter Opioidabhängiger gibt es keine Leit- oder Richtlinien. Die kurzfristig erarbeitete Handreichung für die sichere Eindosierung von Opioidabhängigen mit polyvalentem Drogenkonsummuster beruht auf der Praxis der Ärzt*Innen des Amsterdamer Gesundheitsamtes im örtlichen Polizeigefängnis in den 1990er Jahren und auf Empfehlungen des 2018 verstorbenen „Methadonpabstes“ Robert Newman (NY) nach den Wirbelstürmen in New Orleans (2005) und New York (2012).

 

Substitutionsambulanz im Drob Inn - Handreichung für die dort substituierenden Kolleginnen und Kollegen

Die Aufgabe: Substitution von Opioidabhängigen, die bislang nicht in Behandlung sind

Die Bedingung: In einer epidemischen Situation mit verminderten Diagnosemöglichkeiten die Opioidabhängigkeit sicher festzustellen und bei Indikation für eine Substitution die richtige Dosis zu finden

Das erhoffte Ergebnis: Aufnahme bislang unbehandelter Opioidabhängiger in Hamburg in die Substitutionsbehandlung. Aufdosierung bis zur angemessenen individuellen Tagesdosis. Überweisung an das ambulante niedergelassene Versorgungssystem zur Weiterbehandlung.

 

Weitere Formulare beinhalten die Aufnahme und die Klassifizierung der Opioidentzugszeichen.

 

Jugendhilfe e.V. hatte vorab die Szene auf Deutsch und Farsi über die Inbetriebnahme der Ambulanz informiert.

 

Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg lobt die Initiative substituierender Ärzte

„Es ist großartig, wie engagiert und schnell die Kolleginnen und Kollegen das Problem erkannt, angepackt und mit Hilfe der Gesundheitsbehörde, der KV und dem Träger Jugendhilfe e.V. gelöst haben“. Sie helfen damit nicht nur den betroffenen Menschen, sondern auch der Stadt. „Die substituierenden Ärztinnen und Ärzte stehen auch in dieser schwierigen Situation fest an der Seite ihrer Patienten, die momentan besonders leicht durch das Raster der Aufmerksamkeit fallen“.

 

Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig bezeichnet in einer Stellungnahme gegenüber Forum Substitutionspraxis die Hamburger Initiative als Beispiel für andere Städte des Landes: "Es ist großartig, wie schnell und unbürokratisch in Hamburg niederschwellige Hilfe für Drogenabhängige auf die Beine gestellt wird. Personen, denen sonst der kalte Entzug drohen würde, können so unter ärztlicher Aufsicht schnell, direkt und sicher substituiert werden. Seit meinem Amtsantritt habe ich immer wieder betont, welche große Relevanz die Substitution für suchtkranke Menschen hat und wir sie bundesweit besser aufstellen müssen. Das Hamburger Projekt ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Hilfe trotz Coronakrise weitergeht und sogar noch ausgebaut werden kann. Ich wünsche mir, dass viele in Deutschland diesem Beispiel folgen - es schützt und rettet Leben."

 

Sollten in Gesundheitsämtern, Drogenberatungsstellen, bei Trägern von Konsumräumen oder in anderen Drogenhilfeeinrichtungen Pläne bestehen, kurzfristig Ambulanzen für die Substitution unbehandelter Opioidabhängiger einzurichten, dann können sie auf die Unterstützung der Hersteller von EDV-gestützten Dispensiersystemen, Substitutionsmedikamenten und Drogentests, den Firmen Camurus, CompWare Medical, Hexal, GL Pharma, Sanofi und Nal von Minden, bauen.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Herrn Gerd Meyer-Philippi: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Forum Substitutionspraxis bedankt sich für die spontane Hilfsbereitschaft seiner Sponsoren.

 

Sanofi. Substitution und Corona-Virus - Unterstützung für Ihre PatientInnen

Diese Informationen hat Polamidon-Hersteller Sanofi als Unterstützung für Ärzte und Apotheker im Patientenflyer „Substitution und Corona-Virus“ kurz und knapp zusammengefasst, der ausgedruckt an Patienten verteilt werden kann.

 

Weitere Veröffentlichung zu Covid-19 und Substitution finden Sie hier in der Themenzusammenstellung von Forum Substitutionspraxis:

https://www.forum-substitutionspraxis.de/covid-und-substitution  

 

Der Extrarundbrief zu Covid-19 und Substitutionsbehandlung wird weiterhin in unregelmäßigen Abständen erscheinen, solange die Epidemie in Deutschland anhält. Schicken Sie Berichte und Informationen, wie Sie vor Ort ganz praktisch Ihre Arbeit organisieren, wie jetzt lokale Drogenhilfe und -politik reagieren oder wie Sie als Substitutionspatient*innen die veränderte Behandlung erleben, an diese Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Bleiben Sie gesund und empfehlen uns weiter!

Hans-Günter Meyer-Thompson
- Redakteur -
 
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